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Hafenort



Heute sucht man in der Gemeinde Wöhrden vergebens nach dem Wöhrdener Hafen, und doch hat es nacheinander deren drei gegeben.

Ein Hinweis auf den ersten Hafen Wöhrdens ist die Hafenstraße im Ort. Dieser Hafen würde heute am Anfang der Hafenstraße, hinter den Gärten der Häuser Nr. 1 und 3 liegen, und ist ein reiner Außenhafen. Der Priel, der vom Hafen in südwestlicher Richtung ins Meer hinausführt, ist mit seinem gewundenen Verlauf dort noch deutlich zu erkennen.
Aufgrund der geographischen Lage Wöhrdens erlangt der Hafen mit der Zeit steigende Bedeutung. Denn der Wasserweg ist für das Leben und Treiben auf der Wöhrdener Wurt anfangs der Verkehrsweg schlechthin. Es gibt ja auch nur den einen Landweg, den Siddeldeich, sprich Persenweg, zur nahen Geest. Landwirtschaftliche Erzeugnisse werden über den Hafen exportiert und Erzeugnisse, die hier benötigt werden, importiert. Auch für das aufstrebende Heide bietet sich nur der Wöhrdener Hafen als Umschlagplatz für den Seeverkehr an. Es entwickelt sich im Laufe der Jahrhunderte ein für damalige Zeit reger Betrieb im Hafen Wöhrdens.

Große Wattflächen, die vor Wöhrden entstehen, führen 1601 zur Eindeichung des Wöhrdener Kooges, mit der Folge, dass der Hafen verlegt werden muss. Er befindet sich nun ein paar Kilometer weiter südlich am Außendeich, an der Grenze zwischen Wackenhusen-Ketelsbüttel.


Problematisch ist das Wenden der Schiffe im Hafenpriel, denn ein Hafenbecken, wie bei Binnenhäfen gibt es nicht. Der Hafen ist das letzte Stück Priel vor der Schleuse im Deich, an einer Seite mit einem Anleger aus Holz. Eine künstliche Ausbuchtung, ein so genanntes Schwage- oder Wendeloch, ermöglicht den Schiffen ein Wenden im Hafenpriel.

Das Befahren des Prieles im Watt mit seinen vielen Windungen setzt gute örtliche Kenntnisse voraus. Im Wöhrdener Hafen wird daher ein Lotse für ein- und auslaufende Schiffe vorgehalten. Da die stetige Verschlickung des Küstenvorlandes auch vor dem Schwageloch nicht halt macht gehört es mit zu seinen Aufgaben, das Schwageloch in seinen Maßen zu erhalten. 1780 erhält er pro Lotsendienst 8 Schilling. 1832 ist Bäckermeister Claus Makahlhof für das Stecken und Überwachen der Baken vom Wöhrdener Hafen bis Warwerort angestellt. Er ist zugleich Hafenlotse. Durch Anordnung der Landvogtei Mel­dorf muss der Wöhrdener Bakenmeister ab 1832 die Baken bis Büsum stecken. Am 3. Mai 1840 kauft das Kirchspiel Süderwöhrden von Johann Greve 2 Morgen 8 Scheffel (ca. 3 ha) Land zu Osten am Weg zum Wöhrdener Hafen und baut darauf ein Zollhaus. Am 21. Februar erlässt das Königliche General-Zollkammer- und Commerz-Collegium zu Kopenhagen ein Regulativ für das Dithmarscher Tonnen- und Bakenwesen

Der jetzige Hafen geht mit Riesen-Schritten seinem Ende entgegen, denn es entsteht abermals ein neuer Koog, der Christianskoog, dessen Eindeichung 1845 ab­geschlossen ist. Der Wöhrdener Hafen muss ein drittes Mal verlegt werden.


Doch darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass laufend weniger Ware über den Hafen umgeschlagen wird. Demzufolge sinkt natürlich auch das Interesse des Süderwöhrder Kirchspielskollegiums am Hafen. Auf eine Anfrage des Landratsamtes im Jahre 1884, erklärt das Kollegium, weder einen Antrag auf Aufrechterhaltung, noch auf Übernahme des Hafens stellen zu wollen. Es würde aber, wenn die Süderwöhrdener Entwässerungskommune, die interessiert ist, den Hafen zusammen mit Christianskoog zu übernehmen, solche Verhandlungen unterstützen. - Getan hat sich danach nichts.

Obwohl im Hafen jetzt nur noch Krabbenkutter liegen, gibt es weiterhin den Dienstposten eines Zollbeamten. 1938 wird sogar ein neues "Zollhaus" (Privat- und Dienstwohnung des Zollbeamten) errichtet. Es steht, wenn man sich von Wackenhusen nach Wöhrdenerhafen begibt, gleich hinter dem Deich, als zweites Haus auf der linken Seite. Zu verzollen gibt es über den Wöhrdener Hafen so gut wie nichts mehr. Bald nach dem zweiten Weltkrieg geht die Zolldienststelle ein. Das Haus wird später an Privat verkauft.

Mit der Aufgabe bzw. dem Abwandern der Krabbenfischer Ferdinand Hamann, Ernst Hamann, Gustav Staben (genannt Hudje Staben), Friedrich Schröder und Jonny Boe nach 1946, verschwinden die letzten Krabbenfischer aus dem Hafen.
1902 wird in der Dithmarscher Landeszeitung berichtet, dass der Wöhrdener Badeverein am Hafen Badehütten (Umkleidekabinen) aufgestellt hat. Weiter heißt es: Vom 26.6. bis 19.7. herrscht während der Flutzeit am Wöhrdener Hafen reges Leben und Treiben. Mehrere Male am Tag fährt ein Omnibus (Pferdeomnibus) zum Hafen und zurück.
Baden im und weiter ab vom Hafen ist auch noch nach 1945 in der warmen Jahreszeit normales Freizeitvergnügen für Alt und Jung. Wir Jungen und Mädchen bekommen von zuhause in Zeitungspapier eingewickeltes Butterbrot, wenn Mutter oder Oma es ganz gut meinen, auch noch eine Flasche selbstgemachten Saft mit. Und dann geht es zu Fuß los: Ab zum Lappen (Hafenstraße), zwischen den Häusern und Gärten Nr. 3 und 5 hindurch, über einen Klamp, auf die Schweineweide, dort auf dem Deich entlang und quer über die südlich angrenzende Weide, weiter den Ziegeleiweg, (wie der Neue Weg allgemein genannt wird), zum Wöhrdener Hafen. Mehr schmutzig als sauber, geht es gegen Abend wieder zurück. In der Zinkwanne werden wir von Mutter, selbstverständlich mit kaltem Wasser, reingeschrubbt.
Hafen und Außenpriel verschlicken, nachdem überhaupt kein Schiff mehr dort verkehrt, zusehends. Ende 1960 endet auch das Baden im Wöhrdener Hafen. Nun sind die im Deichvorland friedlich grasenden Schafe ganz unter sich.
Mit der Eindeichung des Speicherkooges 1978 ist der "Wöhrdener Hafen" vol­lends von der Nordsee abgeschnitten. Es gibt keine Ebbe und keine Flut mehr. Anleger und der kleine Lagerplatz sind verschwunden. Die Wöhrdener Häfen sind im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte.

(aus: Geschichte der Gemeinde Wöhrden, S. 117 - 122)

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