Geschichte
  Gewerbe 1     Gewerbe 2     Kultur     Links     Menschen aus Wöhrden     Partnerschaft     Pressetexte bis 2006     Pressetexte ab 2007     Pressetexte ab 2011     Pressetexte ab 2015     Politik     Sehenswürdigkeiten     Veranstaltungen     Vereine  
Geschichte im Zeitraffer
Wöhrden schloss Staatsverträge
Wöhrden wird erstmals urkundlich erwähnt
700 Jahre Wöhrden
Panorama um 1700
Name "Siegerkirche" läßt sich nicht halten
Graf Gerhard
Hafenort
Wöhrdener Blutnacht
Umgehungsstraße
Menschen aus Wöhrdens Geschichte
Bildersammlung
Dithmarschen
Allgemein:
Startseite
Gästebuch
Anreise - Routenplaner
Grundschule Wöhrden
Freie Waldorfschule Wöhrden
Ortsplan
Veranstaltungskalender
Übersicht
Impressum
Datenschutzerklärung

Name "Siegerkirche" läßt sich nicht halten

Wöhrden (bri) In die Wöhrdener St.-Nicolai-Kirche hatte der Verein für Dithmarscher Landeskunde zu einem weiteren Vortrag der Reihe „Dithmarscher Kirchen" mit Prof. Dr. Nis Nissen eingeladen. Thema des Abends war die von Rothe 1786-1788 gebaute Kirche als Beispiel des Spätbarocks in Dithmarschen, dessen Rahmen der Wissenschaftler erheblich erweiterte:

In der Zeitspanne 1140 bis 1281 wurden in Dithmarschen von den Ur-Kirchspielen acht weitere abgeteilt, so daß es am Ende des 13. Jahrhunderts 15 Kirchspiele gab, dazu gehörte Wöhrden. „Worden" oder „Oldenworden" war bereits um 1000 n. Chr. eine der bedeutendsten Wurtsiedlungen der Nordermarsch. Im Zentrum der Siedlung wurde die Kirche errichtet - schon damals dem Heiligen Nicolaus, Schutzpatron der Fischer und Seefahrer, geweiht -, die im Jahre 1319 der Belagerung und Brandlegung Graf Gerhard des Großen zum Opfer gefallen war.

An gleicher Stelle wurde dann jene Kirche errichtet, die noch heute als „Siegeskirche der Dithmarscher" bezeichnet wird, eine Bezeichnung, die sich laut Prof. Nissen nicht halten läßt. Größe und Innenausstattung dieser neuen Kirche erklären sich durch die Mittel, über die das Kirchspiel Oldenworden verfügte, denn Kirchenbau war Sache der Kirchspiele. Auch war der Sieg von 1319 kein Dithmarscher Sieg, sondern ein lokaler.

1777 war die zweite Kirche so baufällig, daß sie geschlossen wurde. Nach elfjähriger kirchenloser Zeit wurde 1788 die heutige von Johann August Rothe aus Ahrensburg gebaute St.-Nicolai-Kirche eingeweiht, eine festliche Kirche des Spätbarocks „aus einem Guß". Die Bausumme von 81.000 Mark wurde u.a. durch den Verkauf der Sitze aufgebracht, nach dem Motto: je näher am Altar, desto teurer. Nicht verkauft wurden die vorderen Logen, die als Beichtstuhl, Sakristei und Sitzplatz für die Familien der Pastoren und Lehrer dienten.

Im pietistisch beeinflußten bildlosen Kirchenraum dominiert der in Konsequenz aus der lutherischen Lehre Predigt und Gebet verbindende Kanzelaltar mit Kreuzigung als Hauptbild. Unter der Kanzel befindet sich ein Alabasterrelief mit der Darstellung des heiligen Abendmahles aus dem Jahre 1613, ein Relief unbekannten Datums unter der Empore stellt das Jüngste Gericht" dar. Auch die Anthonius-Wilde-Orgel (1593) wurde aus der alten „Siegeskirche" übernommen. Anstelle einer Taufe hängt in der Kirche ein Taufengel und bringt ein Hauch von Phantasie.

Für den Vortrag bedankte sich Dr. Hans-Hinrich Zornig bei Nis Nissen, und in Anspielung an die Verleihung des Professorentitels fügte er hinzu, der ,junge" Professor habe sich mit seinem „quicklebendigen" Vortrag selbst übertroffen.
(Quelle: DLZ v. 1986)