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Durch eine Ledertasche gerettet

Karl-Heinz Paulsen aus Wöhrden war von 1937 bis 1945 Soldat
Von Anja Petersen

Wöhrden - Fragt man Karl-Heinz Paulsen aus Wöhrden danach, wo er als Soldat im Zweiten Weltkrieg war. dann antwortet der 87-Jährige „Überall".

Und wenn er dann erzählt, dann erhält man tatsächlich diesen Eindruck: 1939 war er im Polenfeldzug dabei, im Frühjahr 1940 beim Einmarsch in Holland, er belagerte vier Tage Paris, holte sich einen Sonnen brand in Südfrankreich, war bei der Einnahme von Scharkow dabei, wurde in Stalingrad eingeschlossen und bildete in Dänemark Rekruten aus.

1937 begann der damals 20- Jährige seine Soldatenausbildung in Parchim (Mecklenburg) beim 14. Kavallerie- Regiment. Als der Krieg 1939 ausbrach, musste er alle Privatsachen nach Hause schicken, dann ging es nach Polen. Den ganzen Krieg über diente Paulsen als Soldat, wurde 1941 auf eine Panzer-Division umgeschult Er stieg im Laufe des Krieges auf zum Unteroffizier und Zugführer.

Vier Mal wurde der aus Böddinghusen stammende Mann verwundet Bei Woronesch (Ukraine) schossen russische Panzer auf Paulsens Division. Er lag mit einem Kameraden hinter einem Baum.

„Plötzlich sah ich Blut und sagte zu meinem Kameraden der unter mir lag, er sei verletzt worden. Der antwortete: „Nein, Du bist verletzt.“ Tatsächlich hatte Paulsen einen Durchschuss vom Mundwinkel durch den Hals. Ins Lazarett kam der Dithmarscher mit dieser Wunde nicht, sie wurde einfach verbunden.

Aus Stalingrad entkam er mit der letzten Junkers Ju 52, da noch Platz für stehendtransportierbare Kranke war. Paulsen hatte Gelbsucht. Während er Ende 1942 im Lazarett lag, wurde seine erste Tochter Telse geboren. Bei der Geburt seiner zweiten Tochter Hella 1944 war er zu Hause - er hatte sich heimlich aus dem Lazarett in Schleswig geschlichen.

Eine der schlimmsten Kriegserinnerungen ist die Schlacht bei Nemmersdorf am 21. Okto­ber 1944. Dort sah Paulsen schreckliche Bilder: Vergewaltigte und erschossene Frauen, getötete Männer lagen überall herum. Zwischen den Toten entdeckte er einen silbernen Löffel mit den Initialen L.B., den nahm er mit. Bis heute isst er von diesem Löffel, eines der wenigen Erinnerungsstücke aus dem Krieg.

Ein weiteres Andenken bewahrt der 87-Jährige noch heute sorgsam auf: Bei der Verteidigung des niedersächsischen Uelzen 1945 rettete eine lederne Kartentasche Paulsen das Leben: Sie fing den Schuss aus einer englischen Waffe ab.

Bei Kriegsende war Karl Heinz Paulsen bereits zu Hause bei seiner Frau Louise, Tochter des Oldenwöhrden-Gastwirtes Hugo Jahn. Zuvor rettete er im April 1945 noch Familienmitglieder eines Generals mit dessen Auto vom Gut Falkenhagen bei Berlin und aus Schwerin. „Am 30. April fuhren wir morgens um 6 Uhr durch Lübeck, um 8 Uhr kam der Russe.“ Zurück in Wöhr den machte Paulsen ein Tausch­geschäft mit einem Arzt: Auto gegen Bestätigung, dass er seit März im Lazarett im Gasthof Oldenwöhrden liege. Diese Bescheinigung bewahrte ihn vor den Entlassungslager der Engländer.

Nach dem Krieg war Paulsen zehn Jahre lang Bauer, dann führte er 27 Jahre lang gemeinsam mit seiner Frau den Gasthof Oldenwöhrden. Die beiden haben fünf Kinder, 17 Enkelkinder und 21 Urenkel
(Quelle: DLZ v. 11.02.2005)