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Andreas Meisner

Die Russen trinken Wodka aus Heide

Seit Jahrzehnten behauptet sich die Robert Meisner GmbH an der Brahmsstraße

Von Stefan Carl

Heide - Ein kleines Firmenschild im Vorgarten weist auf die letzte verbliebene Spirituosenfabrik an der Westküste hin: die Robert Meisner GmbH in Heide. Seit Jahrzehnten wird in der kleinen Brennerei an der Brahmsstraße reiner Alkohol nach teils uralten Rezepten veredelt.

„Eine Alkoholspindel und ein altes Rezeptbuch - das war al les, womit meine Familie in Heide angekommen ist", sagt Andreas Meisner (50). Das war 1949. Doch der Familienbetrieb ist wesentlich älter: 1906 gründete Gotthard Meisner in Oberschlesien seine Spirituosen- und Likörfabrik - gemeinsam mit Hermann Meisner als Destillateurmeister. Nach dem Umzug 1921 nach Breslau wurde das Unternehmen noch um eine Bierbrauerei erweitert. Die erste Prämierung erhielt das Haus für seine Liköre bei der Weltausstellung 1927 in Paris.

Nach dem Zweiten Welt krieg war die Familie gezwungen, den Betrieb einzustellen. Die Meisners mussten ihre Heimat verlassen und landeten in Heide. Vier Jahre nach Kriegsende wurde dort unter der Regie von Robert Meisner die Produktion im neuen Betrieb wieder angefahren. Gute sechs Jahrzehnte später führen dessen Enkel, die Brüder Andreas und Michael (52) Meisner, das Unternehmen, das es auf einen Jahresumsatz von drei Millionen Euro bringt. Dritter im Bund der Geschäftsführer ist ihr Vater Wolfgang Meisner. Während Letzterer noch mit einem Tempo-Dreirad, beladen mit einem Stahlfass, über die Landstraßen nach Hamburg tuckerte, wird der reine Alkohol heute in Tanklastzügen geliefert, die zigtausende Liter fassen.



Familie Meisner ist stets mit der Zeit gegangen, hat immer wieder in den Betrieb investiert Obwohl Schnaps und Likör in Deutschland nicht gerade Mangelware sind, behauptet sich der Familienbetrieb am Markt mit „Qualität, Flexibilität, Zuverlässigkeit und kurzen Entscheidungswegen." Für Andreas Meisner die ausschlaggebenden Faktoren.

Und auch wenn Heide nicht der Nabel der Welt ist, hat der Standort einen entscheidenden Pluspunkt: „Das Wasser ist hier besonders weich. Und mit unseren Enthärtungsanlagen können wir es noch weicher machen", sagt der gelernte Industriekaufmann Andreas Meisner. Das ist wichtig, wenn Korn und Wodka klar bleiben sollen.

Apropos Wodka: Das heißt übersetzt Wässerchen und ist ein Alkohol Wasser Gemisch. „Da kommt es auf die perfekte Qualität des Alkohols an". Deshalb wird er nur in einem europäischen Land geordert. In welchem, das verraten die Brüder Meisner nicht - ein Betriebsgeheimnis, wie natürlich alle 100 Schnaps-Rezepte. „Aus denen können wir 300 verschiedene Artikel herstellen", sagt Michael Meisner, der als Destillateurmeister die lupenreine Produktion gewährleistet Und das klappt ausgezeichnet Warum sonst sollte in Heide gebrannter Wodka unter anderem in Russland, der Heimat des Wässerchens, reißenden Absatz finden? In Deutschland reicht der Vertrieb von Flensburg bis nach Gießen. Dahinter beginnt die Obstler-Region, in der andere Trinkgewohnheiten herrschen.

Manche Produkte stellt Meisner auch für namhafte Kaffeeröster und Süßwarenhersteller her. „Sie haben uns ihre Rezepte überlassen, damit wir für sie Irish Coffee, Russische Schokolade oder Marzipan Sahnelikör machen", so Andreas Meisner. Seit einiger Zeit ist das Haus zu dem Lieferant für die Coop-Kette. Unter dem Namen Unser Norden produzieren ausgesuchte Betriebe aus Norddeutschland für das Unternehmen. Den Stolz darüber, der Gruppe an zugehören, zeigt Andreas Meisner im Büro: An den Wänden hängen Urkunden und Goldmedaillen der Deutschen Lebensmittel Gesellschaft (DLG). So ist Meisners Übersee-Rum von der DLG und der Coop unlängst zur besten Spirituose in der Rum Kategorie gekürt worden.

Regional bekannt sind vor allerm die Schnäpse Marktmeister und Marktmeister sien Fru sowie der Ochsenschluck und der Heider Kümmel, der nach einem alten Heider Rezept destilliert wird.

So alt die Rezepte, so neu die Technik, die an der Brahmsstraße in den unauffälligen Fabrikhallen eingesetzt wird. Neun Mitarbeiter beschäftigen die Meisners. Die Abfüllhalle darf nur nach Handwäsche, mit Haarnetz und eingehüllt in einen sterilen Kittel betreten werden. Jede Flasche - und davon warten Tausende im Lager -wird gründlich gereinigt und überprüft, um nicht das kleinste Körnchen zu übersehen.

Mit Spindeln, die heute noch so aussehen wie die, die Großvater Meisner einst aus Oberschlesien mitbrachte, wird der Alkoholgehalt bestimmt „Alles, was wir verkaufen, stellen wir in Heide her", sagen die Brüder Meisner. Und das muss eine Menge sein, denn das Einkaufsvolumen umfasst jährlich bis zu 180 000 Liter reinen Alkohol. Und weil der explosiv ist, lagern die Mengen, die gerade nicht verarbeitet werden, in besonderen Tanks.



Im Juni 2010 geriet Familie Meisner gehörig ins Schwitzen, als der benachbarte Möbelmarkt in Flammen aufging -für die Brennerei eine brenzlige Sache. Die Isoliermasse im Dach der Lagerhalle schmolz, die Halle stand zudem knöchelhoch voll Wasser. „Außerdem hatte sich der Brandgeruch auf alle Kartons gelegt. Sämtliche Flaschen mussten neu verpackt werden", erinnert sich Andreas Meisner.

Der bisherige Höhepunkt in diesem Jahr ist erfreulicher: Die Zertifizierung des Betriebs nach dem International Food Standard. Damit werde man auch für die ganz großen Handelsketten interessant

Nur eines könnte dem Traditionshaus künftig Kopfzerbrechen bereiten: Das eineinhalb Hektar große Firmengelände lässt sich nicht erweitern. Stiege die Verarbeitungskapazität, um ein Viertel, „stoßen wir an unsere Grenzen", sagt Andreas Meisner. Doch seit Beginn der Firmengeschichte hat die Familie immer Lösungen gefunden -und die nächste Generation steht bereits in den Startlöchern. Ein Sohn verdient sich erste Sporen in der Getränkebranche, um die Familientradition fortzusetzen.
(Quelle: DLZ v. 25.08.2012)