Pressetexte ab 2007
  Geschichte     Gewerbe 1     Gewerbe 2     Kultur     Links     Menschen aus Wöhrden     Partnerschaft     Pressetexte bis 2006     Pressetexte ab 2011     Pressetexte ab 2015     Politik     Sehenswürdigkeiten     Veranstaltungen     Vereine  
Politische Gemeinde 1. Hj. 2007
Politische Gemeinde 2. Hj. 2007
Politische Gemeinde 2008
Politische Gemeinde 2009
Politische Gemeinde 2010
Kirchliche Gemeinde 2007
Kirchliche Gemeinde 2008
Abschied von der "ersten Liebe"
Jubiläum in Kirchendiensten
Pastor Gördel verabschiedet
Bewegender Abschied von Pastor Gördel
Restaurierte Bücher präsentiert
St. Nicolai-Kirche wird wieder rot
Wöhrdener Kirchendach kann nun nicht mehr "wandern
Wöhrdens erste Pastorin beginnt ihren Dienst
Kirchliche Gemeinde 2009
Kirchliche Gemeinde 2010
Waldorfschule 2007
Waldorfschule 2008
Waldorfschule 2009
Waldorfschule 2010
Vereine, Verbände, Parteien 1. Hj. 2007
Vereine, Verbände, Parteien 2. Hj. 2007
Vereine, Verbände, Parteien 1. Hj. 2008
Vereine, Verbände, Parteien 2. Hj. 2008
Vereine, Verbände, Parteien 2009
Vereine, Verbände, Parteien 2010
Wirtschaft 2007
Wirtschaft 2008
Wirtschaft 2009
Wirtschaft 2010
Allgemein:
Startseite
Gästebuch
Anreise - Routenplaner
Grundschule Wöhrden
Freie Waldorfschule Wöhrden
Ortsplan
Veranstaltungskalender
Übersicht
Impressum
Datenschutzerklärung

Restaurierte Bücher präsentiert

Vier von sechs Werken wiederhergestellt - Inhaltliche Auswertung beginnt

Von Anneliese Peters

Wöhrden - Vor fünf Jahren ist aus Wöhrden ein sensationeller Fund gemeldet worden: Im Kirchenarchiv entdeckte man sechs Wirtschaftsbücher aus dem frühen 16. Jahrhundert. Der Zustand dieser Bücher war allerdings katastrophal.

Fast fünf Jahrhunderte lang hatten Feuchtigkeit, Schimmel, Bakterien und gefräßige Käfer, ja selbst Mäuse die Pergamentseiten und Holzdeckel zerfressen, geschädigt, zerstört „Die Totenuhr tickt", formulierte es der Öffentlichkeitspastor des Kirchenkreises Süderdithmarschen, Wolf Clüver, damals, und er meinte damit nicht nur den Klopfkäfer, auch Totenuhr genannt, der sein unheimliches Werk an den wertvollen Bänden gern vollendet hätte. Der Schatz war gefunden; um ihn wirklich zu heben, bedurfte es einer aufwendigen, teuren Restaurierung. Mit der Restauratorin Anke Merz aus Hamburg fand man 2004 eine Frau, die bereit war, sich an die Arbeit zu machen.

Nach vier Jahren stellte sie nun im Meldorfer Dom mit berechtigtem Stolz das Ergebnis ihres Wirkens vor. Vier der sechs Bände - die vier am schwersten beschädigten - hat sie in einen Zustand zurückversetzt, den man wieder als Buch erkennen kann. Sie hatte nicht nur die restaurierten Bücher, sondern auch einen Teil ihrer Hamburger Werkstatt eingepackt und demonstrierte den Besuchern, wie man in einem sogenannten Anfasergerät die übrig gebliebenen Teile der ursprünglichen Pergamentseiten in ein neu geschöpftes Blatt Papier einbindet. Das ist zweifellos der wichtigste Teil ihrer aufwendigen Arbeit. Die Ergänzung der Holzdeckel, die Wiederherstellung der Bindungen und des Ledereinbandes und dessen Metallschließen kommen hinzu. Für jedes der vier Bücher brauchte Anke Merz ein ganzes Jahr. Die Kosten für die Restaurierung belaufen sich auf 5000 Euro pro Buch. Für die beiden weiteren Bücher werden noch dringend private oder öffentliche Förderer gesucht, die bereit sind, eine komplette „Buchpatenschaft" zu übernehmen oder sich partiell an der Restaurierung eines Buches zu beteiligen.

Nachdem der Schatz nun gefunden und gehoben worden ist, kann die Wissenschaft darangehen, ihn auszuwerten. Was sich in den sechs Bänden versteckt, weiß man ungefähr: Es sind die Wirtschaftsbücher des Kirchspiels Wöhrden, damals Oldenwöhrden genannt Welche Bauernschaften zum Kirchspiel gehörten und welche bäuerlichen Familien dort wohnten und mit der Kirche Geldgeschäfte tätigten, lässt sich aus den Büchern ersehen.

Wie diese Geldgeschäfte ausgesehen haben, darüber hielt der aus Marne stammende Leipziger Professor Enno Bünz unter dem Titel „Zwischen Christus und Fiskus" im Dom einen aufschlussreichen Vor trag. Aus ihm ging hervor, dass die Pfarrer zwar vom Hamburger Domherrn eingesetzt, aber beileibe nicht von ihm bezahlt wurden.

Ihre Einkünfte mussten sie vor Ort erarbeiten. „Pfründe" war der Begriff für die Einnahmen, die sie für ihre Dienste erzielten. Wie diese Einkünfte sich zusammensetzten, von wem sie und wofür sie bezahlt wurden - beispielsweise Seelenmessen und Memorien -, wie die Kirche mit dem Geld umging, wie sie zum Beispiel Gildengelder im Stil einer Spar- und Kreditkasse verwaltete, das alles erhofft man aus dem Studium der Bücher genauer zu erfahren.
(Quelle: DLZ v. 28.03.2008)