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Zwischen Tradition und Moderne

Den Eigentümern von Denkmalen stehen Veränderungen ins Haus

Von Holger Piening

Wöhrden - Elsbe Paulsen wohnt in einem 99 Jahre alten Landhotel, das teilweise unter Denkmalschutz steht. „Hier lebe ich meinen kleinen Traum", sagt die Gastronomin. In vierter Generation betreibt die 54-Jährige den Gasthof Oldenwöhrden in Wöhrden. Das geplante neue Denkmalschutzgesetz sieht sie positiv.


Künftig soll nicht mehr zwischen einfachen und besonderen Kulturdenkmalen unterschieden werden. „Jedes Kulturdenkmal hat seinen eigenen Wert, ist sozusagen ein Individualist und kann nicht ersetzt werden", sagt Oliver Breuer, Sprecher des Kulturministeriums. Die Vereinheitlichung des Denkmalbegriffs hat zur Folge, dass jedes der 16 000 einfachen Denkmale in Schleswig Holstein noch einmal fachlich bewertet wird.

In Kiel schätzt man, dass etwa jedes vierte davon in keinem schutzwürdigen Zustand mehr ist. Falls ein Objekt Denkmal bleibt, muss dessen Eigentümer künftig Veränderungen mit der Behörde abstimmen. Elsbe Paulsen findet das gut. „Ich bin dafür, alte Sachen zu erhalten. Es liegt im eigenen Interesse der Eigentümer, die Bausubstanz ordentlich zu pflegen." 2009 hat die Wöhrdenerin umgebaut und das vom Vorgängerbau übernommene Sandsteinportal es stammt aus dem Sturmflutjahr 1634 wieder zum Haupteingang des Gasthauses gemacht. Vom Landesamt für Denkmalschutz gab es keinen Zuschuss. Aber wer denkmalgerecht sanieren und modernisieren will, muss Geld aufwenden.

Nun heißt es aus Kiel, dass Eigentümer geschützter Denkmäler Zuwendungen beantragen können. „Wenn jetzt etwas an der Tür kaputt geht, müsste ich einen Antrag stellen", schlussfolgert Elsbe Paulsen.

Hohe Erwartungen sollte da bei aber kein Denkmalbesitzer haben. In diesem Jahr fließen lediglich noch 23 000 Euro an Landesmitteln für die Denkmalpflege nach Dithmarschen, davon nur etwas mehr als die Hälfte an private Eigentümer. „Ein Tropfen auf den heißen Stein", findet Hans Georg Hostrup, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Baupflege Nordfriesland und Dithmarschen. Die Programme Dorferneuerung, Dorfentwicklung und LSE gibt es längst nicht mehr. Gemeinsam mit den Aktiv Regionen gelang es der IG Baupflege noch einmal, 750 000 Euro an Zuschüssen für Eiderstedt und Stapelholm an Land zu ziehen. „Dieses Leuchtturmprojekt hat Gesamtinvestitionen von drei bis vier Millionen Euro ausgelöst." Wesselburen erhält eine Sonderförderung vom Bund für Kirche und Hebbelmuseum. Ansonsten sieht es mit Fördermöglichkeiten mau aus.

Auch personell steht der Denkmalschutz in Schleswig Holstein „auf dünnen Beinen". Selbst wenn das Land wie geplant acht Stellen zur Überprüfung der einfachen Denkmäler

neu schafft, wird diese erste komplette Bestandsaufnahme seit Jahrzehnten lange dauern. Die vorgesehene Möglichkeit, Kompetenzen an die Unteren Denkmalschutzbehörden abzutreten, dürfte die Bestandspflege schwerlich voranbringen; beim Kreis Dithmarschen etwa ist lediglich eine halbe Stelle dem Denkmalschutz zugeordnet. Dabei hat Denkmalpflege nicht nur kulturelle, sondern auch wirtschaftliche Bedeutung. „Unsere Urlauber erwarten eine einigermaßen intakte Kultur und Hauslandschaft", hört Hostrup immer wieder.
Eigentlich sollen sich die Behörden bei Eingriffen in die Substanz einschalten. Daran hapert es mangels Personal schon längst. „Bisher ist noch keiner auf mich zugekommen, wenn ich Veränderungen geplant habe", berichtet Elsbe Paulsen. Noch heute ärgert sie sich über einen Vorfall vor fünf Jahren: Inmitten von Wöhrden wurde beim Aufnehmen der Asphalt decke die ursprüngliche Klinkerstraße, umrandet von Katzenköpfen, wieder freigelegt. Trotz entsprechender Information kam kein Denkmalschützer, um den Abtransport zu stoppen. Der als „historisch" beworbene Ortskern erhielt stattdessen ein eintöniges graues Pflaster. „Das war schon traurig", bedauert die Gastronomin.

Wer in einem Denkmal lebt, hat ein Haus mit Charakter undbesonderer Ausstrahlung. „Hier bietet Tradition dem Heute eine Zuflucht", beschreibt Paulsen das Nebeneinander von Moderne und dem Flair der „guten alten Zeit". Den Schank und Gastraum empfindet die Wirtin als ihr Wohnzimmer.

Hans Georg Hostrup wohnt im denkmalgeschützten Haubarg Blumenhof in Tating. „1400 Quadratmeter Dachfläche, 70 Meter Firstlänge, 800 Quadratmeter Grundfläche", zählt er auf. Die Kosten sind hoch, und 70 Prozent des mächtigen Bauernhauses stehen leer. Das Wohnen in einem historischen Gebäude entschädige aber für manchen Nachteil. Lage, Räumlichkeiten und die gediegene Atmosphäre sind Pluspunkte, die übliche Immobilien nicht bieten. „Wenn man so einen Hof von den Eltern und Großeltern übernommen hat, versucht man, ihn zu erhalten", sagt der 58 Jährige. „Ich möchte nicht als Letzter das Licht ausknipsen."
(Quelle: DLZ v. 20.09.13)