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Heiploeg verlässt Wöhrden

Büsumer Feinkost künftig aus Holland: 80 Mitarbeiter vor der Entlassung

Wöhrden (ti) Neben dem Krabbenstreik nun auch das noch: Der holländische Heiploeg-Konzern schließt den Produktionsbetrieb in Wöhrden. Knapp 80 Mitarbeiter bangen um ihre Arbeitsplätze

Ohne Vorwarnung ist den Mitarbeitern diese Information während einer knapp 15 Minuten dauernden Betriebsversammlung verkündet worden. “Erst machen sie den Krabben Fischern die Hölle heiß, und nun das", sagt ein fassungsloser Mitarbeiter im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir sind alle geschockt, Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt“ berichten die Beschäftigten. Sie bangen um ihre Zukunft. „Einige haben geweint.“

Der holländische Geschäftsführer Andries Raven bedauert die Entscheidung der Konzernleitung. „Es ist schade, dass so viele Mitarbeiter betroffen sind.'' Grund sei eine Strategieänderung von Heiploeg, der Nummer eins in der Vermarktung von Garnelen in Europa. Bislang werden Produkte wie Nordseekrabben und Meeresfrüchte aus dem südostasiatischen Raum im holländischen Zoutkamp in große Säcke verstaut und nach Wöhrden gefahren. Dort wird die Ware für Supermärkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz in kleine Plastikschalen verpackt. Bis zu 80.000 Schalen kann die größte Maschine in der Produktionshalle am Tag mit gepultem Krabbenfleisch füllen. „Jetzt haben wir unsere Produktionsabläufe in Zoutkamp optimiert, so dass wir die bislang in Wöhrden geleistete Arbeit auch in Holland erledigen können", sagt Andries Raven. Hintergrund der Entscheidung sei vor allem die Verteuerung der Rohware. „Der Preis für Warmwassergarnelen ist im Durchschnitt um 20 bis 40 Prozent gestiegen."

Die Konzern-Entscheidung ist für die Mitarbeiter „ein Schlag ins Gesicht". Sie waren glücklich, für das Unternehmen arbeiten zu dürfen. Während der Hauptproduktionszeiten. Weihnachten und Ostern, sei der Zwei-Schichtbetrieb über 24 Stunden am Tag gelaufen. „Da hat keiner gemeckert." Und nun „müssen wir erfahren, dass die- ganze Zeit nur Katz und Maus mit uns gespielt wurde. Das einzige was die Bosse interessiert, ist der Profit des Unternehmens", schimpft ein Mitarbeiter. Niemand kann die Entscheidung nachvollziehen. „Es ist Wahnsinn, wie viel wir in den vergangenen Jahren verkauft haben." Die Bilanzzahlen scheinen zu stimmen. Dennoch soll die Produktion in Wöhrden zum 31. Oktober eingestellt werden.

Der Region geht ein weiteres Stück Unternehmensgeschichte verloren. 1918 hatten Büsumer Krabbenfischer die genossenschaftliche Vereinigung gegründet. Vor knapp 20 Jahren zogen sie mit dem Unternehmen in das benachbarte Wöhrden. Dort wurde das Gelände der insolventen Firma Cordts KG gekauft, die sich mit der Produktion von Matjes-Reifungsmitteln einen Namen gemacht hatte. Seit l999 gehört die Firma zum holländischen Heiploeg Konzern.



"Die Angst war immer da"

Fast alle Büsumer-Feinkost-Mitarbeiter erhalten vom Heiploeg-Konzern die Kündigung

Von Ralf Tiessen und Anja Petersen

Wöhrden - In fünf Monaten ist Schluss. Der holländische Heiploeg-Konzern, Europas Nummer eins in der Vermarktung von Garnelen, schließt seinen Produktionsbetrieb in Wöhrden.

Die Arbeit wird künftig in den Hallen der Unternehmenszentrale in Zoutkamp erledigt. Das bestätigte Geschäftsführer Andries Raven gestern. Und das bedeutet, dass etwa 70 der insgesamt 80 Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlieren. „Ich bin in der nächsten Woche in Wöhrden, um die rechtliche Abwicklung in Einzelgesprächen zu klären", sagte der Holländer gegenüber unserer Zeitung und teilte mit, dass die Kündigungen schnellstmöglich versandt werden.

„Das ist ein Schlag für die Region", sagt Hans Jürgen Greve. Er ist Personaldisponent der Chance Zeitarbeit Je nach Bedarf beschäftigt die Büsumer Fischereigesellschaft - in den Supermarktregalen auch als Marke „Büsumer Feinkost" bekannt - in Wöhrden zwischen drei bis acht Zeitarbeiter. „Bislang haben wir mit dem Unternehmen immer sehr gute Erfahrungen gemacht", sagt Greve. Eine Entscheidung mit diesem Ausmaß habe er nie für möglich gehalten.

Bereits vor einem halben Jahr soll es Gerüchte gegeben haben. »Von der Betriebsleitung ist die Schließung des Werkes abgestritten worden", sagt ein Mitarbeiter. Selbst in der Branche sind Kollegen überrascht. Es verdichtet sich die Vermutung, dass diese Konzernentscheidung nicht aus der Not geboren ist.

Vor acht Jahren waren bei der Büsumer Feinkost 30 Mitarbeiter beschäftigt. Es wurden Jahresumsätze von 20 Millionen Euro erwirtschaftet, heute soll der Jahresumsatz bei mehr als 70 Millionen Euro liegen. Wie viel der Heiploeg Konzern durch die Schließung des Betriebes in Wöhrden spart, will Andries Raven nicht sagen. Nur so viel: „Durch eine Optimierung spart man immer Geld." Auch in Wöhrden sei das „einiges".

Andries Raven beteuert, dass diese Entwicklung „bis vor wenigen Wochen in der Eorm nicht abzusehen war". Im Jahr 2009 hat der Holländer die Geschäftsleitung überrnommen. Im Gespräch mit unserer Zeitung räumt er jedoch nach einigen Minuten ein: „Die Angst war immer da."




Um die Ware in Deutschland besser vermarkten zu können, sollen am Standort Wöhrden ein Verkaufsinnendienst und die Versandabteilung erhalten bleiben. Als Briefkastenfirma will Andries Raven den verbleibenden zeichnen. Aber er sei überzeugt, dass „der Verbraucher schon lange nicht mehr auf die Herkunft der Produkte achtet. Preis und Qualität haben in den vergangenen fünf Jahren an Bedeutung gewonnen"Als die Hiobsbotschaft den Wöhrdener Bürgermeister Peter Schoof gestern Vormittag im Allgäu Urlaub erreichte, war er völlig perplex „Das ist ganz bitter für die Mitarbeiter, die ihre Arbeitsplätze verlieren, aber auch für den ganzen Ort." Heute kehrt er nach Wöhrden zurück und will Gespräche aufnehmen, um zu ergründen, „was überhaupt los ist und wie es weitergehen kann".
(Quelle: DLZ v. 21.05.2011)



DLZ v. 15.06.2011