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Letzte Rettung für Wöhrdener Schule?

Streit um schulische Zukunft spaltet das Dorf - Gemeinde will Schließung abwenden

Von Wiebke Reißig
Wöhrden - Fünf Minuten nach Toresschluss versucht jetzt Bürgermeister Peter Schoof, das Ruder herumzureißen und das Aus für die Wöhrdener Schule doch noch abzuwenden.

In scharfen Worten plädierte er bei der außerordentlichen Gemeindevertretersitzung am Donnerstag eine Stunde lang noch einmal leidenschaftlich für den Erhalt des Schulstandortes Wöhrden. Auch die Fraktionsvorsitzenden waren seiner Meinung und so bewilligten alle Gemeindevertreter schließlich 30 000 Euro für eine zusätzliche halbe Lehrerstelle für Wöhrden, um für die künftigen 13 Erstklässler doch einen eigenständigen Unterricht in den Hauptfächern in der Wöhrdener Schule zu ermöglichen.

Die Entscheidung fiel einstimmig, obwohl die Schulkonferenz (bestehend aus 4 Elternvertretern und 4 Lehrern) am 23. Mai mehrheitlich beschlossen hatte, die künftigen Erstklässler in Hemmingstedt einzuschulen. Damit ist das Ende der Schule in wenigen Jahren besiegelt.

Schoof will nun vor dem Kultusministerium in Kiel anfechten, dass die Wöhrdener Schulkonferenz eine derart weitreichende Entscheidung überhaupt treffen durfte. Aber dort ist das in den vergangenen zwei Tagen rechtlich überprüft worden. „Die Schulkonferenz dürfte die Schule nicht auflösen. Darüber hat die Schulkonferenz auch nicht entschieden, sondern nur darüber, wo die jetzigen Erstklässler eingeschult werden", sagt Beate Hinse, Pressesprecherin des Kieler Ministeriums auf Nachfrage unserer Zeitung. Nach der jetzigen Aufruhr wurde in Kiel ergänzend verlangt, dass die Schulaufsicht (also Schulrätin Angelika Sing aus Heide) die Entscheidung bestätigen sollte, was natürlich sofort geschehen ist. Schließlich hat die Schulrätin die Kooperations-Verhandlungen immer begleitet Maike Töwe und eine Einschulung in Hemmingstedt von Anfang an befürwortet. „Das ist pädagogisch vernünftig", findet sie. Aufgelöst werde die Schule Wöhrden aber nicht. „Die jetzigen Klassen bleiben ja noch da." Doch jeder weiß, dass das nur ein verlangsamtes Sterben des Wöhrdener Schulalltages ist. Angesichts der abnehmenden Schülerzahlen werden nach dieser Entscheidung sicher auch keine weiteren Erstklässler mehr in Wöhrden eingeschult. „Damit haben die Eltern jetzt schon die Entscheidung auch für die künftigen Eltern getroffen", schimpfte ein Vater. Und eine Mutter kritisierte: „Es ist bedauerlich, dass die Eltern der neuen ersten Klasse nicht die Eltern der zweiten Klassen involviert und gefragt haben." Gemeinsam hätte man vielleicht eine Lösung für Unterricht in getrennten Klassen für Wöhrden finden können. Die Eltern der künftigen Erstklässler, die Missstände in der Wöhrdener Schule kritisieren und sich mit großer Mehrheit für eine Einschulung in Hemmingstedt eingesetzt hatten, mussten sich in der Versammlung aber nicht nur gegen aufgebrachte Eltern zum Teil jüngerer Kinder verteidigen, sondern auch gegen andere wütende Einwohner. Es geht die Angst um, dass mit der Schule auch die Dorfgemeinschaft zugrunde geht.

„Die Kinder wissen sehr wohl, dass sie Wöhrdener sind, auch wenn sie in Hemmingstedt zur Schule gehen", widersprach eine Mutter. „Der Sportverein wird nicht darunter leiden." Eine andere Mutter pflichtete bei: „Wir werden weiterhin Vogelschießen organisieren. Ich bin auch bereit, einen Elternverein dafür ins Leben zu rufen. Und ich werde weiter im Dorf einkaufen."

„Ich war am Anfang auch nicht begeistert davon, nach Hemmingstedt zu gehen", gesteht Sabine Borchers gegenüber unserer Zeitung. Sie ist Mutter eines Sohnes in der zweiten Klasse und eines neuen Schulanfängers. „In der Gesamtelternkonferenz, bei der die Rede von Kooperation war, hieß es zunächst, es wird wohl in Wöhrden eingeschult." Aber Bürgermeister Schoof habe gewusst, dass Hemmingstedts Schulleiter Lorenzen die Kooperation nur eingehe, wenn die Wöhrdener Kinder in Hemmingstedt eingeschult werden. „Ich habe es ihm selbst während der Gemeindevertretersitzung am 29. April gesagt." Offenbar habe ihr keiner recht glauben wollen. Maike Töwe vom Schulelternbeirat pflichtet bei: „Herr Lorenzen hat von Anfang an unmissverständlich klargemacht, dass bei einer Kooperation die erste Klasse nach Hemmingstedt muss, und dass er maximal ein Jahr zwischenfährt." Bürgermeister Schoof wiederum beteuert, dass der Schulverband die Kooperation nur eingegangen ist unter der Voraussetzung: zwei Schulstandorte, zwei Kollegien. „Frau Sing hat im Schulverband nie von einer Einschulung in Hemmingstedt gesprochen."
„Hemmingstedt ist unsere erste Wahl als Kooperationspartner", betont Sabine Borchers. Und eine Kooperation ist angesichts der niedrigen Schülerzahlen unumgänglich, weil der Wöhrdener Schulleiter-Posten nicht wieder besetzt wird. Also stimmten die Eltern für eine Einschulung in Hemmingstedt.

„Wir können nicht nur an die folgende erste Klasse denken, wir müssen die Zukunft des ganzen Dorfes sehen", plädierte eine Einwohnerin. „Ich kann die Eltern gut verstehen, dass sie eine gute Ausbildung für ihre Kinder wollen. Wenn das so ist, muss an der Qualität der Lehrer hier etwas geändert und nicht die Schule geschlossen werden."

Überprüfen

Der Fall, dass eine Gemeinde eine Lehrerstelle selbst finanzieren will, ist in Dithmarschen noch nicht vorgekommen, sagt Schulrätin Sing auf Nachfrage. Es müsse erst juristisch überprüft werden, ob das möglich sei. Das Ministerium musste dann über die Schulrätin den Auftrag erteilen, dass die Wöhrdener Schulkonferenz erneut zusammen kommt.

Klipp und klar

Hemmingstedts Schulleiter Max Lorenzen ist inzwischen ein bisschen frustriert. „Wöhrden ist an uns herangetreten mit der Bitte um Kooperation. Jetzt wird der Spieß umgedreht." Die Einschulung der Erstklässler in Hemmingstedt als Bedingung dafür „ist von Anfang an klipp und klar gesagt worden", sagt Lorenzen auf Nachfrage unserer Zeitung. „Ich habe zugesagt, dass ich nächstes Schuljahr jeden Tag nach Wöhrden fahre, um eine mögliche Fusion vorzubereiten." Auch für künftige Erstklässler sei es nur ratsam, gleich nach Hemmingstedt zu kommen. „Wir sind in der glücklichen Lage: Wir können alle Wöhrdener Schüler hier unterbringen ohne bauliche Veränderungen." Es sei jedoch sehr „schade, dass unsere Zusammenarbeit" durch die momentane Diskussion „belastet ist."
(Quelle: DLZ v. 04.06.2005)