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Nordelbisches Kirchenarchiv

Die Wöhrdener Bücher – Schritte eines Restaurierungsprojektes


Der Schatz in der Kiste – Auffinden der Bücher

Im April 2002 wurden vom Nordelbischen Kirchenarchiv Kiel im Zusammenhang mit der Sicherungsverfilmung der kirchlichen Amtshandlungsbücher auch sechs sehr alte stark beschädigte Bücher mit nach Kiel genommen. Zunächst nichts Ungewöhnliches – nach einer kurzen Sichtung stand jedoch fest, dass es sich um einen vorreformatorischen ‚Schatz‘ handelt, der unbeachtet im Archiv der Kirchengemeinde Wöhrden schlummerte und der Forschung nur wenig bekannt war.



Was noch nicht glänzt, ist trotzdem Gold – Inhalt der Bücher

Eine erste inhaltliche Erfassung der Bücher wurde durch Dr. Lorenzen-Schmidt vom Staatsarchiv Hamburg im November 2003 vorgenommen. Die sechs Bände erhielten zur besseren Identifikation eine laufende Nummerierung. Die inhaltliche Sichtung wurde durch den sehr schlechten Erhaltungszustand der Bücher stark erschwert und konnte sich daher nur auf einige wesentliche inhaltliche Merkmale beschränken. Die durch Schimmelpilz- und Bakterienbefall sowie Tier-fraß brüchig gewordenen Seiten konnten teilweise kaum umgeblättert und nur mit erheblichen Schutzmaßnahmen (Atemmaske, Handschuhen) gesichtet werden. Eine Sichtung des Bandes Nr. 3 war überhaupt nicht möglich, da der Buchblock fast komplett zerstört ist.

Durch ein Kurzgutachten von Professor Dr. Enno Bünz / Universität Leipzig vom 11.November 2003 wurde der Fund in einen größeren historischen Rahmen gerückt und in seiner Bedeutung für die Geschichte Dithmarschens und die überregionale Forschung eingeordnet. Zitat:

„Die sechs erhaltenen Handschriften aus Wöhrden dokumentieren die kirchlichen Verhältnisse in der bedeutenden Übergangsphase vom ausgehenden Mittelalter zur Reformation, die 1532 in Dithmarschen eingeführt worden ist. Aus den Handschriften sind die Einkünfte für Memorien (Jahrtagsstiftungen für das Seelenheil Verstorbener, Handschrift Nr. 1), die Stiftungen kirchlicher Benefizien und Vikarien (zur Anstellung von Geistlichen, die an der Pfarrkirche neben dem Pfarrer als Messpriester tätig waren, Handschrift Nr. 2) sowie die Verhältnisse der in Dithmarschen besonders zahlreichen Gilden und religiösen Bruderschaften (Handschrift Nr. 4 u. 6) ablesbar.

Das religiöse Leben in Wöhrden, eines der ältesten Kirchspiele des Landes, das erstmals 1281 erwähnt wird, ist vor der Reformation besonders reich gewesen. Auch in anderen Kirchspielen Dithmarschens hat es im späten Mittelalter Vikarien, Memorienstiftungen und Bruderschaften in großer Zahl gegeben, doch ist darüber nur wenig bekannt, weil die diesbezüglichen Aufzeichnungen im Zuge der Reformation – nun als wertlos erachtet – vernichtet worden sind. Manche Kirchspielarchive des Landes haben auch im Zuge der Letzten Fehde 1559 Verluste erlitten. In Wöhrden sind vorreformatorische bzw. reformationszeitliche Archivalien, die über frühere Verhältnisse Auskunft geben, aufgrund eines glücklichen Überlieferungszufalls in einem Umfang erhalten geblieben, der in anderen Kirchspielen des Landes nicht gegeben ist.

Der historischen Forschung sind bislang aus den sechs Wöhrdener Handschriften nur ganz wenige Auszüge bekannt, die Johann Adrian Bolten 1788 in seiner ‚Dithmarsischen Geschichte‘ mitgeteilt hat. Aus dem Wöhrdener Memorienbuch (Handschrift Nr. 1) hat außerdem Andreas Ludwig Jacob Michelsen in seinem Urkundenbuch zur Geschichte des Landes Dithmarschen die Vorrede abgedruckt. Angesichts der beträchtlichen Verluste spätmittelalterlichen und reformationszeitlicher Archivalien in Dithmarschen (man denke nur an die gedruckte Kirchenordnung von 1574, von der bis heute kein Exemplar wieder aufgefunden werden konnte) sind die Wöhrdener Handschriften von größter Bedeutung. Neben der Kirchengeschichte ist ihr reicher Inhalt auch für die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse Dithmarschens im 16. Jahrhundert, die erst wenig erforscht sind, von größtem Wert."



Das ‚Kind‘ bekommt einen Namen und mehrere Väter und Mütter

Allen Beteiligten war klar, daß die Kirchengemeinde Wöhrden ‚dieses Kind‘ auf Grund der hohen wissenschaftlichen Bedeutung und des Projektumfanges nicht alleine betreuen konnte. Es wurde im April 2004 eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich aus Pastor Gördel (Kirchengemeinde Wöhrden), Propst Kiene (Kirchenkreis Süderdithmarschen), Pastor Clüver (Pressesprecher des Kirchenkreises Süderdithmarschen), Pastor Dr. Stein (Verein für Dithmarscher Landeskunde) sowie Frau Dr. Göhres und Frau Baus (Nordelbisches Kirchenarchiv) zusammensetzte. Die Arbeitsgruppe erstellte ein detailliertes Konzept für die Projektschritte Restaurierung und Sicherung der Bücher, Finanzierung des Projektes (Sponsorensuche) und Öffentlichkeitsarbeit.


‚Die Totenuhr tickt‘ – Restaurierungskonzept

‚Anobium pertinax‘ oder ‚Totenuhr‘ bzw. ‚Klopfkäfer‘ war eines der ‚Fundstücke‘, auf die die Restauratorin Anke Metz / Hamburg bei der ersten Sichtung der Bücher im Sommer 2002 gestoßen ist. Der Käfer hatte die Holzdeckel der Bucheinbände völlig zerfressen. Da die Eier des Käfers noch aktiv waren und ein Übergreifen des Schädlings auf andere Bücher und Holzobjekte zu befürchten war, wurden die Bände zunächst eingefroren.

Das von Frau Metz als Grundlage für das Projekt erarbeitete Restaurierungskonzept sieht pro Band folgende Schritte vor:

Restaurierung der Pergamentseiten (Anfasern mit Papier) ca. 1.044,- €
Arbeiten am Buchblock (u.a. Zuschneiden der angefaserten Seiten,
Binden auf drei doppelte Hanfbünde) ca. 700,- €
Arbeiten am Einband (u.a. Restaurierung der Lederdecke, Schließen,
Herstellen neuer Buchdeckel, Einbinden des Buchblockes) ca. 3.300,- €
Kassette zum Schutz des Buches ca. 250,- €
Fotodokumentation mit Dokumentationsbericht ca. 400,- €

Eine genauere Schätzung der Kosten für die einzelnen Bände war nicht möglich, da der Schadensbefall sehr unterschiedlich ist und viele Probleme erst im Laufe der Restaurierungsarbeiten selbst auftauchen und damit zeitlich und finanziell erst zu diesem Zeitpunkt einschätzbar sind.

Das Restaurierungsprojekt wurde mit Band Nr. 4 begonnen, da der Schadensbefall dieses Bandes exemplarisch für die meisten Bände der Reihe war. Für die Restaurierung der Pergamentseiten wurde ein neues Verfahren ausprobiert. Die einzelnen Pergamentseiten sind in einer Anfasermaschine mit Papier angefasert worden und anschließend wieder auf das Ursprungsformat zurechtgeschnitten worden. Dadurch konnten die zum Binden erforderlichen Doppelseiten wieder hergestellt und die Einzelseiten soweit stabilisiert werden, daß sie ohne Probleme wieder geblättert werden können. Auf eine Anfaserung mit Pergamentfasern wurde verzichtet. Da die neuen Pergamentfasern stark hygroskopisch sind, das alte Pergament meist aber nicht mehr arbeitet, wurde ein Verwerfen der einzelnen Seiten befürchtet.
Die einzelnen Restaurierungsschritte werden von Frau Metz für eigene Zwecke in einer umfassenden großen Fotodokumentation dargestellt. Für den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit wurden 10 kleine sehr gute Leporellos mit Fotos der nichtrestaurierten Bücher, dem Restaurierungsgutachten von Frau Metz und einem Kurzgutachten zum historischen Kontext der Bände von Dr. Lorenzen-Schmidt angefertigt (Kosten ca. 150,- € als Sonderpreis). Da die Herstellung der Leporellos sehr kostenaufwendig war, wurden mit Einverständnis von Frau Metz preisgünstigere gute Farbkopien zur Weitergabe an Sponsoren, Presse etc. gezogen (ca. 7,- € pro Stück).

Für die Restaurierung aller sechs Bände wird ein Arbeitszeitraum von ca. drei Jahren angesetzt. Die Grundlage für die zügige Durchführung der Restaurierung ist die Sicherstellung der Finanzierung.

Wer zahlt bleibt – Sponsorensuche

Die Restaurierungskosten in Höhe von ca. 5000,- € zzgl. Mehrwertsteuer pro Band sind für die Kirchengemeinde Wöhrden alleine nicht finanzierbar. Die Einmaligkeit dieser sechsbändigen Reihe und ihre große inhaltliche Bedeutung für die Geschichte Dithmarschens und für die Forschung machen dieses Projekt für eine Sponsorenkampagne interessant. Im Rahmen der Arbeitsgruppe wurde die Sponsorensuche gezielt vorbereitet.

Als Informationsgrundlage für die Sponsoren wurde eine Mappe mit folgendem Inhalt zusammengestellt: Informationspapier des Nordelbischen Kirchenarchivs (Abb. 11), Kurzinhaltsübersicht der sechs Bände von Dr. Lorenzen-Schmidt (Abb. 12), Restaurierungsgutachten von Frau Metz, Leporello von Frau Metz, bisher erschienene Zeitungsartikel.

Das Nordelbische Kirchenarchiv hat die Aufgabe der Ermittlung von Sponsorengruppen und Einzelsponsoren sowie die Kontaktaufnahme übernommen. Als sehr hilfreich haben sich für die Gestaltung der Sponsorenkampagne die Kontakte und der intensive Erfahrungsaustausch mit Herrn Dr. Brandes-Druba (Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein) und Herrn Dr. Köhnenkamp (Dithmarscher Landesmuseum Meldorf) erwiesen. Zur Finanzierung des Projektes ist die Vergabe von Buchpatenschaften für komplette einzelne Bände oder Patengemeinschaften, die sich die Finanzierung eines Bandes teilen, geplant. Die Paten sollen in geeigneter Form im Buch selbst auf einem extra eingelegten Blatt bzw. auf einer Schmuckseite, die in die Buchkassette eingelegt wird, genannt werden und nach Abschluß der Restaurierung bei der Präsentation des jeweiligen Bandes entsprechend gewürdigt werden. Überlegt wird auch, ob die Paten von ‚ihrem Patenkind‘ eine kleine Fotodokumentation mit den Restaurierungsschritten und einer historischen Expertise erhalten. Bei größeren Patenschaften (z.B. Sparkassen) ist sofern gewünscht die Ausstellung des Originalbandes unter entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen vorgesehen.

Bislang konnte die Restaurierung von zwei Bänden finanziell sichergestellt werden. Die Restaurierung des Bandes Nr. 4 wurde vom Kirchenkreis Süderdithmarschen, der Kirchengemeinde Wöhrden und dem NEK-Archiv finanziert. Der Verein für Dithmarscher Landeskunde übernimmt die Restaurierung eines weiteren Bandes.

Grundlage der Sponsorenkampagne ist eine fundierte Öffentlichkeitsarbeit.


Die Werbetrommel gut gerührt – Öffentlichkeitsarbeit

Die Form und Zielrichtung der Pressearbeit ist vor Beginn des Projektes detailliert von der Arbeitsgruppe ausgearbeitet worden. Die Koordinierung der Pressearbeit wurde Pastor Clüver übertragen. Für die Weitergabe an die Presse wurde ein Informationspapier vom Nordelbischen Kirchenarchiv ausgearbeitet, das den Inhalt und historischen Wert der Bücher in Kurzfassung wiedergibt. Die sehr gut vorbereitete und durch Pastor Clüver konsequent begleitete Pressearbeit sollte bewirken, daß termingerecht gezielte Informationen, die das Interesse der Öffentlichkeit an dem Projekt wecken sollten, herausgegeben werden.

Die Pressearbeit wurde in zwei Zeitabschnitte gegliedert – gezielte Pressekampagne zur Bekanntmachung des Projektes und langfristige Begleitung des Projektes. Die ersten Presseinformationen zu dem Restaurierungsprojekt sind unmittelbar vor der öffentlichen Präsentation des Projektes am 14.09.2004 im Meldorfer Dom in mehreren Pressegesprächen in Meldorf und Wöhrden an die Presse weitergegeben worden, die bei der Präsentation am 14.09. auch da war. Die langfristige Begleitung des Projektes durch die Presse soll in Form von zeitlich punktuell eingesetzten Informationen über den weiteren Werdegang des Projektes, Präsentationen der bereits fertig gestellten Bände und Berichte über die ersten wissenschaftlichen Auswertungen erfolgen.


Nur was ich sehe und anfasse, bleibt im Gedächtnis – Ausstellungen

Unter diesem Aspekt wurde im Nordelbischen Kirchenarchiv eine kleine Ausstellung über das Projekt zusammengestellt. Sie besteht aus drei Tafeln, die die geschichtliche Einordnung der Bücher, den Inhalt der Bücher, den derzeitigen Zustand der einzelnen Bände und die Restaurierungsschritte dokumentieren. Die Tafeln sind bewußt so konzipiert worden, dass sie durch die brillanten Fotos der Restauratorin Frau Metz und knapp gewählte Texte auch ohne Ausstellen der Originalobjekte für Laien einen gut verständlichen und anschaulichen Einblick in das Projekt geben. Grundidee der Ausstellungskonzeption war, nicht nur für die Präsentation am 14.09.2004 im Meldorfer Dom eine einmalig begleitende Ausstellung zu schaffen, sondern eine Ausstellung zu konzipieren, durch die das Projekt langfristig begleitet werden kann, die regelmäßig erweitert werden kann und nach Möglichkeit mit den Originalobjekten gezeigt werden kann. Die Erweiterung der Grundtafeln soll durch prägnante inzwischen veröffentlichte Pressartikel, weitere Fotos und fachspezifische Erkenntnisse aus der Restaurierungsarbeit sowie ggf. erste wissenschaftliche Auswertungen erfolgen. Bei Vergabe von Buchpatenschaften soll die Ausstellung ggf. zusammen mit dem vom Paten gesponserten Originalband vor Ort unter entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen gezeigt werden können.

Für die Erstellung der Ausstellung sind ca. 100,-- € für Fotos, Texte und Spezialpapiere ausgegeben worden.

Die Ausstellung ist inzwischen bei der ersten Präsentation des Projektes

am 14.09.2004 im Meldorfer Dom,

vom 15.09. bis 15.10.2004 im Landesmuseum in Meldorf zusammen mit dem teilrestaurierten Originalband Nr. 4 und

vom 5.11. bis 7.11.2004 auf der Quodlibet in Hamburg ohne den Band Nr. 4 gezeigt worden.

Ein zweites Exemplar der Ausstellungstafeln soll dauerhaft in der Kirchengemeinde Wöhrden aufgebaut werden.

Fotos und Texte sind eine Seite – die Möglichkeit, Originale zu sehen, Papiere anfassen zu dürfen und Restaurierung live zu erleben, ist ein Bonbon, der nur in seltenen Fällen geboten wird. Dieser Glücksfall fand am 14.09. im Dom zu Meldorf statt. Neben der Ausstellung auf den Schautafeln wurde eine Vitrine mit restaurierten Einzelseiten und deren Transkription und Übersetzung sowie eine Vitrine mit Einzelexponaten des teilrestaurierten Bandes Nr. 4 gezeigt. Die Hamburger Restauratorin Frau Metz hatte zudem den nichtrestaurierten Band Nr. 3 unter Verschluß, jede Menge Humor und Fachwissen zur

Restaurierungsgeschichte sowie eine Papieranfasermaschine, an der live das Anfasern demonstriert wurde, mitgebracht. Diese optische Öffentlichkeitspräsentation wurde durch einen fundierten Vortrag von Professor Bünz über den historischen Hintergrund, den Inhalt und die Bedeutung der Bände abgerundet.

Die Originalexponate wurden für die Dauer der Ausstellungen bei einer Spezialversicherung versichert (ca. 200,- €).


Wer nicht sichert, verliert – Sicherungsverfilmung

Die Sicherung und Erhaltung des Originalbandes durch die Restaurierung ist ein Aspekt. Um auf der absolut sicheren Seite zu sein und eine gute Benutzbarkeit der Bände für die Forschung zu ermöglichen, werden alle Bände zusätzlich sicherungsverfilmt. Die Sicherungsverfilmung erfolgt durch eine Spezialfirma vor dem Binden des Buchblockes, um Beschädigungen am neuen Einband zu vermeiden und die Seiten möglichst optimal und vollständig erfassen zu können. Der Sicherungsfilm wird im NEK-Archiv Kiel in einem Spezialmagazin eingelagert. Er ist nicht zur Benutzung freigegeben. Von diesem Film werden Masterfisches gezogen, die ebenfalls im NEK-Archiv eingelagert werden. Die von diesen Masterfiches gezogenen Duplikatfiches werden zur Benutzung im NEK-Archiv, im Archiv des Kirchenkreises Süderdithmarschen und ggf. in der Kirchengemeinde Wöhrden über Lesegerät zur Verfügung gestellt. Die Originalbände werden in Absprache mit der Kirchengemeinde in dem zur Zeit in Meldorf im Bau befindlichen Magazin des Kirchenkreisarchivs Süderdithmarschen in einer verschlossenen Anlage unter besonderen klimatischen Bedingungen eingelagert. Sie sind bei Bedarf dort für die Forschung einsehbar.

Die Verfilmung eines Bandes sowie die Herstellung der Mikrofiches kostet ca. 100,- €.


Wissen, das schläft, ist wertlos – Benutzung

Eine erste wissenschaftliche Betreuung des Projektes ist durch Professor Bünz und Dr. Lorenzen-Schmidt in Form der Kurzgutachten und eingehenden Beratungen zum Projektverlauf erfolgt. Geplant ist eine langfristige Begleitung des Projektes durch beide, die auch wissenschaftliche Auswertungen der Bücher vorsieht.Wünschenswert wäre auch, dass sich Universitäten bei der Vergabe größerer Forschungsprojekte bzw. Doktorarbeiten für diesen historischen ‚Bonbon‘ interessieren.


Ein offenes (?) Geheimnis – sonst wäre es langweilig

Die alte Nummerierung, noch teilweise vorhanden und mit weißer Farbe auf den Buchbänden geschrieben, sowie das Deckblatt des Bandes Nr. 5 lassen darauf schließen, dass es einen siebten Band gegeben hat oder noch gibt. Im Archiv der Kirchengemeinde Wöhrden ist ein Buchfragment ausgewiesen, das vom Inhalt und Zeitvolumen her in die Buchreihe passen würde. Es gibt also noch einige archivische Detektivarbeit zu leisten.

Das Projekt ‚Die Wöhrdener Bücher‘ ist für uns in der Größenordnung und als mehrbändige Reihe ein Pilotprojekt. Wir werden auch in den nächsten Mitteilungen weiter darüber berichten. Vorgesehen ist ein Abdruck des Vortrages, den Professor Dr. Bünz am 14.09.2004 im Meldorfer Dom gehalten hat, erste inhaltliche Auswertungen der Bücher sowie eine kleine Restaurierungsgeschichte mit Fotos.
Gabriele Baus, NEK-Archiv Kiel