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Kirchenführer

St. Nicolai-Kirche zu Wöhrden

Kirchenführer von Horst Ploog

Eine Kirche stellt sich vor

Aufnahme 1959 Aufnahme 2005


Einleitung
Seit wann ist das Kirchspiel Wöhrden vorhanden? Seit wann steht in Wöhrden eine Kirche? Ein Datum gibt es nicht, aber der Zeitraum lässt sich eingrenzen. Dieser Kirchenführer will Wöhrdens Kirche in aller Kürze vorstellen. Auf die äußerst wertvolle Anthonius-Wilde-Orgel von 1593 möchte ich ganz besonders hinweisen.
Horst Ploog


Wöhrden
Wöhrden, erstmals 1281 urkundlich erwähnt, ist eines der ältesten in der Marsch gelegenen Wurtdörfer Dithmarschens. Der Name Wöhrden, früher Olden Wurden «alte Wurten), dann Oldenworden, Worden, schließlich Wöhrden, leitet sich also vom Begriff Wurt (aufgeworfener Erdhügel) ab.

Die Besiedlung dieser, sich einst im Wattenmeer befindlichen, halligartigen Erhebung dürfte 100-200 n. Chr. ihren Anfang nehmen. Bodenuntersuchungen belege die künstliche Erhöhung der Wurt spätestens ab dem 8. Jahrhundert Die erste Landverbindung vom Festland zur Wurt ist ein ca. l ,50 m hoher Siddeldeich (niederdeutsch: siedeldiek=Seitendeich). Wattflächen um die Wurt begrünen sich nach und nach und werden mit der Zeit als Weide- und Ackerland nutzbar gemacht. Der erste geschlossene Seedeich» um 1000 n. Chr. errichtet, schützt es vor Überflutungen und schafft mit einer ausgeklügelten Entwässerung die Voraussetzung für ein ertragreiche Landwirtschaft.

Mit 6,24 m über NN ist Wöhrden das höchste Wurtdorf der Dithmarscher Marsch. Die ertragreiche Landwirtschaft, ein Hafen für de Export heimischer Produkte und den Import von hier und dem Hinterland benötigten Gütern machen die Bewohner verhältnismäßig wohlhabend. Das landwirtschaftlich geprägte Wöhrden, mit einer Grundfläche von 2.158 ha, ist eine aufstrebende Gemeinde mit wachsender Einwohnerzahl. Handel, Handwerk, Gewerbe, Gastronomie, Grundschule, ein reges Vereinsleben, nicht zuletzt die Kirchengemeinde - Träger von Diakoniestation und Kindergärten - sowie eine günstige Verkehrsanbindung bieten einen hohen Wohnwert.

Das Kirchspiel Wöhrden
Kaiser Karl der Große (742-814) unterwirft die Sachsen. Dithmarschen wird wie Holstein und Stormarn ein Gau Karls des Großen. Er ist Anhänger des christlichen Glaubens. Die Glaubensrichtung, ein Privileg der Herrschenden, gilt somit automatisch für Dithmarschen.

Meldorf wird erster Kirchort Dithmarschens. Diese Kirche bleibt zweihundert Jahre Mittelpunkt des christlichen Glaubens in Dithmarschen. Dann kommen weitere Kirchen, regional verteilt, hinzu. 1140 werden in einer Urkunde die Kirchspiele Lunden, Weddingstedt, Tellingstedt, Büsum, Süderhastedt, Uthaven (bei Brunsbüttel?- untergegangen) erwähnt. Bis 1281 spalten sich von den zuvor genannten vier Kirchspiele auf der Geest und vier in der Marsch ab. Das Kirchspiel Wöhrden entstammt dem Kirchspiel Weddingstedt. Es umfasst Wöhrden, Großbüttel, Hochwöhrden, Wellinghusen, Nannemannshusen, Poppenhusen, Neuenwisch, Edemannswurth, Edemannswisch, Neuenkrug, Överwisch, Wennemannswisch, Walle, Wackenhusen. Der Begriff Kirchspiel wird später mit „Kirchspielslandgemeinde“ für Gemeindebezirk übernommen.





Die St. Nicolai Kirche zu Wöhrden
Das Kirchspiel Wöhrden wird 1281 erstmals urkundlich erwähnt. 1281 ist also eine Kirche vorhanden. Sie muss demnach zwischen 1140 und 1281 gebaut worden sein. Über Größe und Bauart ist nichts bekannt. Sie geht 1319 (Schlacht bei Wöhrden) in Flammen auf. Das Kirchspiel Wöhrden entschließt sich zu einem Neubau, der wohl größten Kirche Dithmarschens jener Zeit. Sie trägt den Namen St. Nicolai (Nicolaus = Schutzpatron der Fischer und Kaufleute). Der Bau einer Kirche ist reine Kirchspielsangelegenheit, Das bedeutet, will ein Kirchspiel eine neue Kirche haben, hat es Planung» Finanzierung und Durchführung eigenständig zu leisten. Wöhrden ist ein finanziell und wirtschaftlich bedeutendes Kirchspiel in Dithmarschen. Die Bauern sind wohlhabend und das will man mit dem Bau dieser übergroßen Kirche zeigen.


Die auf dem Lageplan (Seite 5) gestrichelt dargestellte, doppelschiffige Kirche, besteht aus einem Hauptschiff und der so genannten Süderkirche mit Sakristei und Beinhaus. Das Hauptschiff trägt einen Dachreiter, worin die Stundenglocke hängt. Ein niedriger, hölzerner Glockenturm mit drei großen Glocken steht zu Westen der Kirche. Die Kirche ist aus Backsteinen gemauert. Als Bedachung werden Fliesen (Sandsteinplatten), ein andermal Pfannen genannt. Die Wasserrinne zwischen den Schiffen ist aus Bremer Sandstein fliesen.

Der genaue Kirchenstandort ist nicht überliefert. (Die Zeichnung hat einen möglichen Standort zum Inhalt.) Zwischen den beiden Schiffen befindet sich eine Arkadenwand. Hierauf ruhen die parallel verlaufenden Dächer beider Schiffe, deren Regenwasser von der erwähnten Wasserrinne abgeleitet wird. Da das Süderschiff als Anbau erwähnt wird, geht man davon aus, dass es später angefügt worden ist. Die Sage, in der Süderkirche sind Totenköpfe von in Dithmarschen gefallenen Adelsleuten eingemauert, ist zu bezweifeln. Vielmehr dürfte es sich um das Beinhaus der Kirche handeln. Ob sich Beinhaus und Sakristei als Einheit oder getrennt im Süderschiff befinden, steht nicht fest. Der Platz, wurde von mir willkürlich gewählt, um deren Maß zu verdeutlichen

Gegenüberstellung der Kirchengrößen

Johann Adrian Bolten (1772 1782 Diakon in Wöhrden) preist die Kirche mit „so ansehnlichen steinernen Gewölben, einem so geräumigen Chore und überhaupt so kostbaren Einrichtungen versehen" als Krone der Landeskirchen (Dithmarscher Kirchen) an.

1559 kann in einem anderen Zusammenhang eine Kirchenorgel nachgewiesen werden. Sie wird jedoch seit langem vorhanden gewesen sein. 1593 läßt die Kirchengemeinde vom Orgelbaumeister Anthonius Wilde eine neue Orgel einbauen. Die äußeren Schnitzarbeiten stammen von Hinrick. Altar und bronzener Taufkessen gehören zur Grundausstattung der Kirche.

Mit Einführung der Reformation ändert sich die Kircheneinrichtung total. Viele Kostbarkeiten gehen verloren, Die sechs Nebenaltäre verschwinden. Gold- und Silbersachen werden eingeschmolzen oder wie die teuren Altargegenstände und Heiligenbilder verkauft. Erhalten ist ein Alabasterrelief vom 12. Juli 1613, gestiftet von Hinrich und Anna Kruhsen und der 20-flammige Messingkronleuchter von 1643, gestiftet von Henning Jungen Hebke. Zwei der drei erwähnten Glocken (eine wurde im 1. Weltkrieg vom Staat eingezogen) Sind noch vorhanden. Eine, l.200 kg schwer, ist von 1453. Sie trägt die in Niederdeutsch bzw. Latein abgefasste Inschrift:

„Anno Dei MCCCCLIII (1453). Maria bin ich genannt, das Kirchspiel zu Oldenwöhrden ließ mich gießen St. Antonius. Die Verstorbenen beklage ich, die Lebenden rufe ich, die Blitze breche ich. Meine Stimme ist die Stimme des Lebens; ich rufe Euch zum Gottesdienst. Kommt! Gott sorge für meine Seele, Hermen Klinghe, der mich gegossen hat."

Die zweite Glocke, 300 kg schwer, trägt nur das Datum MCCCCXIII (1493).

1777 kommt das, was sich schon seit über zehn Jahren abzeichnet, große durchgängige Risse in der Arkadenwand und den tragenden Bögen erzwingen eine behördliche Schließung der Kirche wegen Einsturzgefahr. Durch die Sandsteinrinne ins Mauerwerk eindringendes Regenwasser ist ursächlich für die enormen Schäden. (Anmerkung: Von 1777 bis 1788 dient das Materialienhaus als Interimskirche).

Dithmarschen, 1559 vom Königreich Dänemark bekriegt und besiegt, zunächst dreigeteilt, wird 1582 in Norder- und Süderdithmarschen aufgeteilt. Die Grenze verläuft mitten durch das Kirchspiel Wöhrden. Es entstehen die Kirchspiele Norder- und Süderwöhrden, mit der Kirche im Wurtdorf Oldenwöhrden. Kirchlich ändert sich nichts. Sie bleibt als Institution zuständig für das gleiche Gebiet wie zuvor. Ein Kuriosum ist jedoch, dass das in Norderdithmarschen liegende Kirchspiel Norderwöhrden und das in Süderdithmarschen befindliche Kirchspiel Süderwöhrden für den Unterhalt und Zustand der Kirche verantwortlich ist. Dieser Umstand stellt sich als sehr nachteilig heraus. Norderwöhrden will die Kirche reparieren, Süderwöhrden möchte einen Neubau. Gutachten, Reparatur- und Neubauberechnungen sind über Jahre Verhandlungsgegenstand beider Kirchspiele.

Endlich, 1785 einigt man sich. Johann August Rothe wird am 12.01.1786 mit einem Neubau beauftragt. (Rothe, aus Altenburg, Thüringen, wohnt seit einigen Jahren in Ahrensburg). Am 21. Sept. 1788 findet die feierliche Einweihung der neuen, im barocken Stil errichteten, St. Nicolai Kirche statt. Das lichtdurchflutete Kircheninnere ist, abgesehen von einigem Zierrat aus echtem Blattgold, von schlichter Schönheit. Die wenigen, von Bildhauer Hans Holtmeyer, Wewelsfleth, stammenden Schnitzarbeiten prägen den Altar mit Kanzel. Der 170 kg schwere Taufkessel war, wie erwähnt, verkauft worden. Statt dessen schwebt, von einer Eisenstange gehalten, ein von H. Holtmeyer geschnitzter Taufengel im Altarraum

Taufengel von Hans Holtmeyer, 1788, einer der schönsten Norddeutschlands

Das Alabasterrelief, Anno 1613, mit der Darstellung des Heiligen Abendmahles, über dem Altartisch;



rechts neben der Orgel ein weiteres Alabasterrelief unbekannten Datums, zeigt das Jüngste Gericht mit der Auferstehung der Frommen und der Gottlosen; der 20-flammige Messingkronleuchter von 1643, sind wertvolle Gegenstände der Kirche. Prunkstück und von einmaliger Klangfülle jedoch ist die wieder eingebaute Anthonius-Wilde-Orgel von 1593.

Auch wenn die neue St. Nicolai Kirche erheblich kleiner ausfällt als ihre . Vorgängerin, ist sie mit einer Länge von 30 m und einer Breite von 13 m immer noch ein stattliches Kirchengebäude



Nachdem die während der Bauzeit in einigen Grabkellern bestatteten Verstorbener wieder herausgenommen worden sind, und ihre endgültige Ruhestätte erhalten und der Friedhof wieder hergerichtet ist, kann man mit Recht stolz auf das Geschaffen« sein.

Leider hat man nicht lange Freude am neuen Werk. Insbesondere das hübsche Dach des 42 m hohen Turmes bereitet Sorgen. Die Kupfereindeckung muss ständig repariert werden. Trotz Neueindeckung, 1795, lässt sich 1812 der Abriss des Turmes nicht mehr vermeiden. Der Turm erhält ein so genanntes Zeltdach. Damit nicht genug, der ganze Turm neigt sich im Laufe der Zeit immer mehr nach Westen. Schließlich erfolgt 1950 aus Sicherheitsgründen ein Verbot des Glockenläutens, 1956 wird der Turm abgerissen. Zuvor kommen die Glocken neben der Kirche in einen hölzernen Behelfsglockenstuhl. Nach Fertigstellung des Turmneubaues, 1957, erhalten die Glocken wieder ihren angestammten Platz. Mit der Anschaffung einer 400 kg schweren Glocke und der Stiftung einer 600 kg schweren Glocke von Reimer Winckelmann, Wöhrden, verfügt die. Kirche ab 1957 über ein Vierergeläut. Eine fünfte, kleine Glocke hängt zu Osten in der Turmmauer. Sie soll 1735 in Neuenwisch gegossen worden sein, und wurde früher bei Feuer- und Sturmflutgefahr geläutet. Zu diesem Zweck hing außerhalb des Turmes ein Seil zur Erde herab.

Egal aus welcher Richtung man nach Wöhrden kommt, die mitten auf der Wurt stehende, alles überragende St. Nicolai-Kirche zu Wöhrden grüßt schon von weitem.

Panorama der Gemeinde Wöhrden