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Hermann Böckmann erlebte als Zehnjähriger die Nachkriegsjahre in Wöhrden
Von Knut Hartmann
Wöhrden - „Diese Zeit vergisst man nicht so schnell", erinnert sich Hermann Böckmann an seine Kindheit. 1935 in Wöhrden geboren, erlebte er die Nachkriegsjahre mit seinen Eltern, die in der Großen Straße des Ortes eine Gärtnerei betrieben.
Als „Soldatenzeit" bezeich net der heute 72 Jährige die Jahre nach dem Ende des zwei ten Weltkriegs. Damit ist natür lieh nicht seine eigene Rolle gemeint. Vielmehr gehl es um die Verhältnisse in Wöhrden. „Nach dem Krieg war der Ort voll mit deutschen Soldaten", schildert Böckmann, was er als Zehnjähriger erlebte. Sogar an die Namen einiger Soldaten, die in der Gärtnerei seiner Eltern arbeiteten, erinnert er sich.
„Es gab viele Kontakte zu den Soldaten. Angst hatten wir keine. Sie waren eigentlich keine Soldaten mehr und alle froh, dass der Krieg vorüber war. Keiner wollte mehr darüber reden. was sie erlebt hatten", berichtet Böckmann, der aus der Zeil die unterschiedlichsten Erinnerungen schildern kann. Etwa von einem sangeskräftigen Kölner Soldaten. „Er war mit seiner Einheit auf einem Bauernhof im Ort untergebracht und sang aus voller Brust ,Ich möcht' zu Fuß nach Kölle gehen.
Überall seien Soldaten gewesen, erinnert sich der Wöhrdener. Während im damaligen Schulgebäude neben dem Elternhaus in der Großen Straße die Offiziere einquartiert wurden und der heutige Gasthof Oldenwöhrden ein Lazarett war, wohnte bei Böckmanns im Haus der Oberstabsarzt Dr. Kühnel, der von den Engländern als Ortskommandant eingesetzt wurde. Daher hatte ihr Haus als einziges am Ort einen Telefonanschluss. „So kamen immer wieder viele Soldaten zu uns, um zu telefonieren, auch die Engländer. Erst haben die Leute gedacht, sie wollen meinen Vater verhaften, weil sie so oft da waren", schmunzelt Böckmann, der sich auch daran erinnert, dass er von den Engländern immer Schokolade bekam.
Kühnel, dessen Fahrer übrigens der spätere Komponist und Leiter des NDR Kinderchores Erich Bender war, ließ auch große Mengen Fleischkonserven, die im Besitz der Wehrmacht waren und in einer Kohlscheune am Osterhof lagerten, nach Wöhrden bringen, bevor sie den Engländern in die Hände fielen, „Er bekam den Hinweis von einem Wöhrdener und ließ die Lebensmittel dann unter den Einwohnern verteilen. Unser ganzer Keller lag voll", erinnert sich Böckmann.
Aber zu essen gab es nach Angaben des Wöhrdeners immer genug im Ort. ..Wir hatten immer zu essen, auch durch die Schlachtungen. Außer dem half einer dem anderen. Diesbezüglich war es eine schöne Zeit." (Quelle: DLZ v. 21.02.2007)
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